Das Architekturbüro BIG Bjarke Ingels Group, KopenHagen/New York, plant das neue Transitlager

Erzählen Sie mal
bjarke ingels

Der aufstrebende dänische Architekt im Gespräch über konzeptionelle
Herausforderungen und seine Ideen zur Umnutzung des Transitlagers.

 
 


 
 
 

Was fasziniert Sie am Transitlager?

Als ich vor zwei Jahren zur Kunstmesse ART nach Basel gekommen bin, habe ich das
Grundstück für den Transitlager-Wettbewerb erstmals besichtigt. Ich bin durch das von
Gewerbe und Industrie durchsetzte Dreispitzareal über Zuggleise und an LKWs vorbei
spaziert und stehe plötzlich vor diesem Schiff aus Beton. Die Rohheit und ­handwerkliche
Qualität des fein detaillierten und auffallend schön umgesetzten Ortbetonbaus haben
mich sofort fasziniert. Begeistert hat mich am Transitlager auch der Kontrast zum
Industrie­gelände, der sich vom Dach des Gebäudes aus auftut. In der Höhe tritt man in
eine Art Oase ein, mit Blick auf die umgebenden Hügel und Wälder. Im Dreispitz ausserdem positiv aufgefallen ist mir die wachsende Präsenz der Kreativszene und eine damit einhergehende Aufbruchstimmung.
 

Was macht die Qualität bei den ­geplanten Wohnungen aus?

Die Frage, wie man in dem sehr tiefen Gebäudegrundriss wohnen kann, hat mich stark
beschäftigt. In Tribecca, New York, lebe ich selbst in einem Loft. Ähnlich wie das Transitlager hat dieses ehemalige Pro­duktionsgebäude hohe Decken, grosse Spannweiten und tiefe Geschossflächen. Diese fordern zur Gestaltung experimenteller Wohnkonzepte heraus. Beim Transitlager hat mich Frank Lloyd Wright inspiriert. Bei einigen seiner Bauten sind die Decken entlang der Fenster tiefer als im Rest des Raumes und damit ist der Ausblick als eigener Raum definiert und inszeniert. Wir schneiden im Transitlager die bestehenden Decken zum Teil heraus und erhöhen so den Wohnraum in der Mitte. Für mehr Tageslicht integrieren wir Skylights in den doppelhohen Einheiten.
 

WAs Hat Sie konzeptionell Inspiriert?

Das Transitlager hat Pilotcharakter im Quartier, setzt aber auch ein Signal für Veränderung über dessen Grenzen ­hinaus. Die Identität des Gebäudes ist durch seine Schiffsform gegeben.

Wir möchten die Grosszügigkeit und Eigenheit des Industriebaus so weit wie möglich erhalten, so auch die Betonböden und Betondecken im Inneren, da sie Charakter haben und ihre handwerkliche Ausführung äusserst gut ist. Alles, was wir dazu bauen, soll wie ein Möbel in den Räumen stehen. Das Gebäude ist bereits sehr ausdrucksstark, da sollte man nicht zu viel ändern.
Mit dem Aufbau wenden wir uns dem klassischen Gedanken im Wohnungsbau zu. Da die Grundfläche sehr tief ist, haben wir einen Trick appliziert. Indem wir den Grundriss in fünf Einheiten unterteilt und diese ins richtige Licht gedreht haben, sind kleinere Einheiten entstanden, ähnlich Punkthäusern – jetzt eben auf dem Dach. Die Häuschen erhalten von vier anstatt nur von zwei Seiten Tageslicht. Zudem gliedern sich unterschiedliche private Terrassen an die Einheit an. Diese haben wir als private und nur für die Bewohner ­vorbehaltene Hofräume interpretiert – sie sind zwar nach aussen gestülpt, besitzen aber immer noch die Privatheit eines Hofes.
 

Wie unterstützt das ­Transitlager die Quartier­entwicklung?

Der Vorteil liegt im Bestand: Das Transitlager ist authentisch, man muss nicht erst auf eine Entwick­lung warten, denn eine ­gewisse Aktivität besteht bereits. In Kopenhagen gibt es ein vergleichbares Entwicklungsprojekt, den Meatpacking District. Hier sind neben Wohnraum Galerien, Restaurants und kreative Büros entstanden. Geichzeitig sind aber auch einige Metzgereien dort geblieben. Dies hat den Übergang erleichtert. Im Transitlager ist das ähnlich. Es wird nicht ein neues Wohnprojekt in einem komplett neuen Stadtteil erstellt, sondern in einem bestehenden Gewerbe- und Handelsgebiet eingebaut. Ein existierender Stadtteil, der durch einen Transformationsprozess geht, hat eigene Vorraussetzungen.